Wenn angeleinte Hunde sich begegnen:
Leider kann man das immer wieder beobachten: zwei Hundehalter kommen direkt aufeinander zu und es ist ein “Dürfen die beiden sich mal beschnüffeln?” zu hören. Vorher haben sich die beiden Hunde schon mit angespanntem Körper und starrem Blick fixiert. Nun sollen sie sich an der straffen Leine frontal gegenüberstehend freundlich begrüßen. Schnauze an Schnauze, die Leine ist gespannt, die Hunde sind angespannt und beide Hundehalter auch – das kann doch nur schief gehen! In dieser artfremden Haltung, zu der die Hunde durch die Leine gezwungen sind, grenzt es an ein Wunder, wenn nicht einer der beiden Hunde zum Angriff übergeht!
Menschen und Hunde haben bestimmte Begrüßungsrituale – diese sind jedoch ganz verschieden! Wir Menschen begegnen uns mit direkten Blickkontakt, gehen frontal aufeinander zu und stellen sofortigen Körperkontakt her (Händeschütteln). Man darf diese menschlichen Benimmregeln nicht von seinem Hund fordern – das kann er nicht leisten! Hundekontakte dieser Art sind absolut nicht artgerecht und haben oft ein böses Ende!
Selbst, wenn sich beide Hunde gut kennen, oder die Rangordnung eindeutig geklärt wurde, ist es nicht gerade angenehm für sie. Bei Unsicherheiten kann nicht ausgewichen werden, Spannungen können nicht durch Bewegung abgebaut werden usw. Die Leine verhindert die angemessene Umsetzung der Begrüßungsregeln unter Hunden und wird als starke Behinderung empfunden.
Diesen Konflikt, diese unangenehme Situation, bezieht der Hund mit der Zeit entweder auf das Angeleintsein, auf den Hundehalter, oder ganz schlimm: auf Hundebegegnungen im Allgemeinen! Auch, wenn man den Hund ins “Platz” verdonnert, die Leine extrem kurz nehmen, ihn am Halsband zerren usw. darf man sich nicht wundern, wenn der Hund mit der Zeit immer früher und heftiger auf Artgenossen reagiert!
Was also tun?
Angenommen, man sieht einen Hundebesitzer mit angeleintem Hund auf sich zukommen. Jetzt sollte man ganz genau auf den eigenen Hund achten! Nachdem er den Artgenossen erblickt hat, aber bevor er darauf reagiert, stellt man ihm eine Aufgabe, bei der er sich wirklich stark konzentrieren muss. Also nicht schon vorher von der “Gefahr” ablenken und auch nicht warten, bis der Hund schon senkrecht in der Luft steht! Welche Aufgabe oder welche Übung am besten geeignet ist, hängt von einem selbst und dem Hund ab und ist nicht ganz so entscheidend. Wichtig ist alleine das Timing! Dazu muss man die Körpersprache des Hundes lesen können, sonst verpasst man den entscheidenden Augenblick! In dem Moment, in dem der andere Hund passiert, geht man zügig weiter und versucht, den Blickkontakt zum eigenen Hund zu halten. Ruhig und gelassen bleiben und zielstrebig vorangehen, dann überträgt sich die eigene Sicherheit auf den Hund. Hat man es geschafft, seine Aufmerksamkeit zu halten, dann hat man sich eigentlich auch ein Leckerli verdient – auf jeden Fall bekommt der Hund eins, denn er hat etwas Tolles geleistet!